Stimmen von Ulrike Reinert, Helmut Junger und Univ.-Prof.i.R. Dr.phil Johann Konrad Eberlein (2025)
Die Verschleierung und das Verunklären von Bildern führt uns zum Papierschnitt von Norbert Zuckerstätter. Die Arbeit ist in zwei Ebenen aufgebaut: eine collagierten Schicht von Zeitungsausschnitten aus den unterschiedlichsten Medien und ein darüber gelegter, lochgestanzter schwarzer Karton, der an vielen Stellen Durchblicke ermöglicht auf das Darunter.
Aus der Ferne betrachtet, ergibt sich eine abstrakt gepunktete Fläche, aus der hier und da ein größerer farbiger Fleck besonders ins Auge sticht. Aus der Nähe gesehen wird das Bild jedoch zum medialen Rauschen und der Blick wird frei auf eine Unzahl von Gesichtern, bekannten und anonymen und einer Flut von Schlagzeilen, Werbeeinschaltungen und Schriftzeichen. Der “Bildfänger“, so der Titel der Arbeit, wird zum Abbild der vernetzten, multimedialen Gesellschaft.
Von Ulrike Reinert
Ausstellung im Kultur Forum Feistring
https://www.feistringhain.at/

Der Künstler Norbert Zuckerstätter zeigt in seinen sehr feinsinnigen und zarten Papierschnitten viel Wandlungsfähigkeit.
Er faltet die Blätter akkurat in zentimeterbreiten Abständen, um die Kanten zu versengen, tränkt das Papier in Wachs, schafft pergamentartige Bilder, die immer wieder von Verletzungen und Spuren der Zerstörung gekennzeichnet sind.
Andere Blätter versieht er mit Schnittwunden, vernäht sie wieder oder näht Negativformen, genommen von beliebigen Fotografien, in symmetrischer Form auf die Unterlagen.
Die Verletzungen, die er den Blättern zufügt sind nie wild oder willkürlich, es sind präzise gesetzte Kompositionen. Er verletzt oder „heilt“ seine Werke nicht, um Zerstörung zu zeigen. Norbert Zuckerstätter zeigt uns lediglich ihre Verletzlichkeit und Fragilität.
Von Helmut Junger
„Die Weite seiner künstlerischen Möglichkeiten, die reiche Fantasie, die ihn über alle Grenzen hinweg führt, das alles sind barocke Züge, die er in die Gegenwart
transponiert hat. Er sieht die Kunst als Form, die über die Abformung Erinnerung bewahrt. Der Abguss hat eine Doppelfunktion. Er reicht hinein ins Reich der Toten und bildet eine Brücke zur Gegenwart. Seine Methodik der Wiederholung des Einzigartigen, die wie eine Aufhebung der Vergänglichkeit fungiert, ist darin
aufgehoben. Norbert Zuckerstätter arbeitet wie ein Barockkünstler mit dem Vanitas Gedanken, lässt ihn aber nicht zum Leitmotiv werden. Er vereint in seiner Person Unbeirrbarkeit und Zartheit. Er stellt uns ein Werk voll Glanz und Überraschungen vor Augen. Er wird noch Vieles unvergesslich machen, das ihm in die Hände gerät.“
Von Johann Konrad Eberlein
(auf Anfrage kann der Katalog (13.€) erworben werden)

